Also, wie ein suspendierter Mönch durchs Schweigen eine neue Religion stiftet

 

Einmal ist in Georgien, Tiflis, ein religiöser Vulkan ausgebrochen, in der Dienstagnacht des 6. Juni kam es zu einer Liveszene, zu einer Massenhysterie, tausende Anhänger haben sich mobilisiert und für den Mönch Nikolozi demonstriert, weil der Wohnungsvermieter den Mönch nicht mehr wollte. Eine junge Frau drohte sogar mit Selbstmord, sie war auf dem Dach des Hochhauses geklettert und wollte sich wegen Nikolozi herunterstürzen. Zum Glück wurde alles friedlich beendet, irgendwelche Beamten erschienen, überedeten den Vermieter und brachten ihn von seinem Plan ab. Das Drama dauert aber an, die neue Religion wirkte und siegte, trotz der „gesunden“ Kommentare von kirchlichen Theologen und trotz negativer Einswände vieler Säkularisten.

1tv.ge

Die Naturkraft ist chaotisch und gewalttätig, aber manchmal auch still und unsichtbar, als ob es sie gar nicht gäbe…

Die Religion hat in Georgien alle bisherigen bekannten Grenzen, Formen und Definitionen verlassen und neue Dimensionen gesucht und gefunden. Wir wissen dass die Religion durchs Wort wirkt, durch die kluge Sätzen von Bibel, Evangelium oder Koran sind die neue Religionen oder eine Korrektur der alten Religion gegründet oder verursacht und die erste Anhänger oder Apostel mit Wort und Predigt waren von Anfang an  immer dabei…

19420352_152867435260346_5996623912840071405_nAber der seit 20 Jahren suspendierte Mönch Nikolozi (i ist Nominativendung im Georgischen) sagt gar nichts, er schweigt.

Er sitzt in seiner Wohnklause, kommt einmal nur im Monat heraus, geht zum Basar bzw. Markt, kauft dann das Wichtigste und Notendigste ein, wirft die Dinge in einen schwarzen Beutel und kehrt wieder nach Hause zurück.

 Er hat tausende Anhänger: Frauen, Männer, Jugendliche, die ihm folgen, 

Sie lieben und verehren ihn, auch lassen sie sich ihm ihre Krankheiten und Gebrechen heilen. Er stellt sich als ein lebender Heiliger, ein Wunderheiler und Retter dar. Er sagt, er könne die Menschen aus der Hölle herausziehen, der schweigende Gottesmann, ein Verfolgter wegen seiner Gerechtigkeit und sogar eine Art Jesus Christus. Er habe die Atomkatastrophe in Japan sowie den Regierungswechsel in Georgien voarusgesagt! Sogar Prominente, bekannte Sänger und Sängerinen, Politiker und legitime Priester der georgisch-orthodoxen Kirche sind ihm verfallen und erzählen von seinen Wundern. Er besässe die Gnade Gottes. Bekannte Fernseh- und Radio-Shows,Die bekannte Fernseh- und Radio-Shows, wie z. B. „Jajanidze“, widmen ihm und seiner Verehrern die Stundenlange Sendungen…« ვიდეო, Video.   Die von ihm Begeisterten schufen Facebookseiten mit tausenden Mitgliedern und teilen diese mit Herzzeichen und Liebeserklärungen.

……..

ბერი ნიკოლოზი

Wegen der sozialen Probleme in Georgien ist vermutlich 13912647_118736961906237_8598590922021576407_nein akuter Bedarf an Heiligen entstanden. Dabei spielen auch die orthodoxe Tradition, die Identität des Volkes, eine Verzweiflung und Grenzsituationen eine Rolle. Nach der Überzeugung der Gläubigen, die im Georgischen Mrewli heißt, ist der Mönch Nikolozi ein Schüler und direkter Nachfolger des Salosmönches Gabrieli, der vor 2 Jahren von der georgisch-orthodoxen Kirche als heilig gesprochen wurde. Vor Mrewli aber war Gabrieli längst als Wundertäter (umgangssprachlich ein georgischer Santa Klaus) betrachtet worden. Seine Ikonen hängen sei mindestens 10 Jahren überall, am Straßenrand, in Minibussen, in Autos, in Häusern und Krankenhäusern, in Universitäten, in Bürosräumen von Beamten. Offenbar glauben nicht nur die getaufte Christen an ihn, neulich erzählte eine Frau auf Facebook, wie sie von ihrer muslimischen Schwiegermutter beschimpft wurde, weil sie nicht an Gabrielis Wundertaten glaubt.

 

……

……..

und dem Nikolozi wird die Gedichte gewidmet, wie dieses: „Du bist der Herr des ganzen Alls, das ganze All ist dein Haus, wenn du lachst, die Natur ist froh, dir folgt immer ein Strahl des Lichtes…“

19905009_314574155655849_5241511605443184775_n

…….

……

Um was geht es überhaupt? Von Außen sieht so aus, als ob wir es mit Verrückten zu tun hätten. So sagen es nicht nur die Ärzte, Ungläubige oder „gesunde“ Gläubige, sondern auch die Taten von Gabrieli und seinem geistlichen Sohn Nikolozi zeigen den Wansinn. Der lebende Heilige schimpft, schlägt die Nachbarn, droht mit Vernichtung. Neulich hat er auch den Aufzug gesperrt, er schreibt und schreibt, verfluchtet alle widrigen Dinge.und verspricht den Menschen hundert Trillionen Jahre Hölle. Sehr viel Zeit, wenn man denkt. Dass die Welt nicht mal 14 Milliarden Jahre hinter sich hat. Der lebendige Heilige schreibt aber, er sei alles, Imperator, Patriarch, auch Arthur Schopenhauer, Shakespeare, Mendelejew…eine sehr lange Liste: Newton, Adam, Stalin und Machiavelli, aber Nietzsche findet sich nicht darunter. Unter der gewählten Namen finden wir auch keinen Heiligen, sogar nicht mal den grichischen Salos Symeon von 6. Jahrh. Er habe die Atombombe, fliegende Untertassen (UFOs), sogar das Geld erfunde. Er wohne allein in Kreml usw. Hauptdienst: er sei ein Chef von allen Banken. In Realität schenkt er auch manchen Armen Geld (siehe Video). Es handelt sich also nach ärztlich- psychatischr Kenntniss um eine schwere Paranoia.

 

Der Mrewli (Mrewli ist im Georgischen wie Schaf – Zchwari, das Gleiche in Singular und Plural) sagt: Er verhalte sich absichtlich wie ein Verrückter, in Wirklichkeit sei er ein Salos, ein Gottesweiser, ein Heiliger, ein Gottesmann. Vieles wird erzählt über die Wunder, die er getan habe: Krebsheilungen vor allem. Ein Mrewli habe geschrien:“hilft ihm die schwere Tasche zu tragen“ und deshalb sei dieser Mann plötzlich von seiner Krankheit geheilt-

Die theoretische Grundlage des Salostums (Salos auf Deutsch „Narr“) findet Mrewli bei Paulus, Korinterbrief 1: „Die Weisheit der Welt ist die Torheit vor Gott“ Der Mönch verhält sich als sei ein Verrückter und ein Tor, um damit diese Welt zu verneinen und Gott zu bejahen. Das sagt der Sprecher, des „lebendigen Heiligen“, der Theologe, fromm wirkende Lewan Pirzchalawa (s. Video), der Theologe und sehr fromm wirkende Lewan Pirzchalawa, der auch ein Mitglied einer Akademie der Wissenschaften sein soll.

Wie ist die Geburt dieser neuen Religion wissenschaftlich einschätzen? Man sollte nicht vergessen: Nach der Meinung der seiner Anhänger sei der Mönch auch Präsident der Akademie der Wissenschaften und Z. Froel… Ich vermute, im Manuskript sollte Siegmund Freud stehen und Froel (auf. G. ზ. ფროელი) ist ein Abschreibefehler, es sollte ზ. ფროიდი (Z. Froidi) stehen.

Das wir es hier mit einer kollektiven Neurose zu tun haben, ist klar, aber damit ist nichts geklärt. Bei den vielen, unterschiedlichen Verhaltensweisen des Mönches denkt man auch an Friedrich Nietzsche, ein Zeichen dass Gott weiter lebt, es ist die Religion zurück, also die „Heilige Krankheit“. Es wäre ein wirkliches Wunder , wenn sie sich dadurch kein Kult der Anormalität manifestiere!

Wie denkt man darüber in Georgien?

Wenn die Regierungsmitglieder, Spitzenpolitiker und Geistlichen in Üppigkeit leben und das Volk unter Armut und Krankheit leidet, dann soll man wenigstens aus dem Himmel ein Retter des Volkes erscheinen lassen!?“ – sagen die Religions- und Regierungskritiker.

31b0211d98a8Die offizielle Kirche – die Georgisch-Orthodoxe Kirche – ist Schuld, – sagt der Religionsbeobachter Lewani, weil sie den wirklichen Narren Gabrieli heilig gesprochen hat und damit die Anspüche der anderen religiösen Narren drastisch erweckt…“

 

So etwas, sagt eine Pristertochter namens Tsitsino, gab es in Sovjetzeit nur in Russland, als Kind wurde ich einmal von meinen gläubigen Eltern nach Petschora mitgenommem und dort gab es einen hochverehrten Sawa, ein Autorität, ein ähnlicher Typ wie Nikolozi. Wenn er erscheint, fühlten sich die Frauen im Gottesdienst erlöst und wollten von ihm eine Segnung zu bekommen. Diese kranke religiöse Mentalität ist jetzt auch bei uns, in der Kirche, neben der Kirche, aber im Prinzip auch gegen die Kirche aufgetreten, leider ist alles Import…“ – beklagt sie weiter.

Nonne Sidonia: „Religiöser Radikalismus, Übertreibung, Superstitio!“

Fazit: Ein religiöses Paradoxon: Ein Obdachloser und ein von der „ligitimen“ Kirche als Exmönch gemachter Mann im reiferen Alter (etwa 60 Jahre) gründet praktisch eine neue Religion, eine bemerkbare religiöse Bewegung im Rahmen des Christentums, Ihm folgen Tausende, ihm wird mehrere Fernsehenshows gewidmet, er heilt und erbringt Wunder, ihn besuchen die orthodoxe Priester aus den USA und aus Rumänien und sein Medium ist doch mehr weniger – Schweigen. Diese Bewegung wächst weiter und festigt sich im Sinn der Gläubigen.

19366213_1514817791922860_3645633398456157645_n

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s