რელიგიოლოგია, როგორც აკადემიური საგანი – ReWi als akademisches Fach und ihre Perspektiven in Georgien

ReWi als akademisches Fach und ihre Perspektiven in Georgien

I.Was ReWi ist und was nicht!

Religionswissenschaft, Religious Studies, ist vor allem, ein Studiengang, der z.B. insgesamt in 30 deutschsprachigen Universitäten in Deutschland, der Schweiz und Österreich angeboten wird. Heutzutage hat sie sich als eine kulturwissenschaftliche Disziplin, als freies, eigenständiges Fach in den westlichen Universitäten(abgesehen von Japan) entwickelt, ein Beruf also, eine Profession, wie es im Georgischen heißt, eine Specialoba.

Die ReWi erforscht die Religion systematisch-vergleichend, empirisch-deskriptiv, neutral, im Kontext. Sie lehrt und erforscht die Religion in ihrer Gesamtheit, in ihrer Dynamik, in ihrer Geschichte und Gegenwart.

Religionswissenschaft ist eine relativ junge Wissenschat, mit etwa 142 akademischen Jahren. Warum eigentlich 142? Weil die akademische Geschichte eines Faches entweder mit einem Lehrstuhl, oder mit einem Institut, Department, Abteilung, vielleicht auch mit einer Professur anfängt. Der erste Lehrstuhl wurde im französischsprachigen Genf eingerichtet, genau vor 142 Jahren. Es folgten dann Boston(gleiches Jahr), die Niederlande, gleichzeitig 4 Unis(1876), Paris(1880), Brüssel (1884), Rom(1886)…

ReWi steht auf 2 Säulen: Historische und Systematische(veraltet: vergleichende, phänomenologische) Religionswissenschaft. Historische bedeutet hier „längsschnittmäßig“, d.h. diachron, Systematisch heißt „querschnittsmäßig“, also, synchron, vergleichend…1

Oder klarer ausgedrückt, wie der schwedische Klassiker der Religionswissenschaf Geo Widengren bestimmt : „Die Religionsgeschichte gibt die historische Analyse, während die Religionsphänomenologie uns die systematische Synthese liefert“2.

Religionsgeschichte hat eine lange Geschichte, aber das ist jetzt nicht unser Thema.

Erst durch die systematische Religionswissenschaft wird das Fach als autonomes konstituiert, und nur wenn und solange (auch) systematische Religionswissenschaft betrieben wird, ist es möglich und sinnvoll, in den religionswissenschaftlichen Teildisziplinen – wie Religionsgeschichte oder Religionssoziologie – mehr zu sehen als nur Zweige der Geschichtswissenschaft oder der Soziologie“3.

Zusammefassend: wiederholen, zitieren:

Die Religionswissenschaft Versteht sich als eine empirisch arbeitende Wissenschaft – d.h. als eine Wissenschaft, die auf der Beobachtung und Beschreibung von Religionen, religiösen Akteuren oder religiösen Sachverhalten(Dingen, Ereignisse, Phänomenen) aufbaut“ 4

Religion ist ein Forschungsobjekt auch von anderen Wissenschaften wie z.B. der Soziologie, Psychologie Ethnologie. Was ist der Unterschied? 1. Für die Religionswissenschaft ist die Religion mehr als ein Symptom(mehr als Opium oder Interaktion). 2. ReWi ist ein gegenstandsdefiniertes Fach, d.h. für Religionswissenschaft ist Religion ein Forschungsobjekt nicht unter Anderen, sondern das Einzige…

Ein Historiker der sich mit Religion beschäftigt, bleibt Historiker; ein Religionswissenschaftler, der ausschließlich historische Phänomene ohne erkennbaren Bezug zum Thema Religion behandelt, hört demgegenüber in der allgemeinen Wahrnehmung auf, Religionswissenschaftler zu sein“5.

Um eine Fachverwechslung zu vermeiden, muss man auch klären, was die Religionswissenschaft nicht ist.

Omnis determinatio est negatio – nach dieser Methode bestimmt der Bekannte Berliner Religionswissenschaftler Hartmut Zinser in seinem Lehrbuch „Grundfragen der Religionswissenschaft“6 .

Kurz gesagt, ReWi ist keine Religion, keine Theologie, keine Ideologie, keine Religionsphilosophie (Keine Religionskritik, keine Religionsapologie).

Für die Identität dieses Faches ist besonders wichtig der Unterschied zur Theologie. Theologie ist ein konkretes Fach, konfessionell ausgestattet(z.B. katholisch, schiitisch, Shintoistisch usw.), ReWi dergegenüber ist universal, die Gleiche für aller Welt und für alle (Religions)wissenschaftler dieser Welt. Für Talal Assad und Hamid Reza Yousefi auch…

Als Regel: die Theologie lehnt an die Offenbarung an, Theologie beschäftigt sich mit Gott und Gotteswort, Religiologie/ReWi – mit Religion. „Theologen sind religiöse Spezialisten – Religionswissenschaftler sind Spezialisten für Religiöses“7.

Natürlich, bei der Formation diese Faches haben am Anfang auch Theologen mitgewirkt, aber der anerkannte Vater dieses Faches ist der Philologe und Mythenforscher Friedrich Max Müller (1823 -1900), der im Jahre 1867 der Ausdruck Science of Religion programmatisch als ein neues akademisches Paradigma erstmalig benutzt hat: The Science of Religion may be the last of the Sciences, whit wich man is destind to elaborate; but when it is elaborated, it will change the aspect of the world, and give new life to Christianity itslelf8.

II. Über Genesis, Wie und warum ist die Religionswissenschaft entstanden?

Die Frage gehört zur Fachgeschichte und ist unvermeidbar. Es gibt dazu unterschiedliche Meinungen:

1. Der Große alte Mann des Faches Jonathan Zittel Smith meint, sie sei ein Kind der Renaissance. Meistens aber wird sie als Kind der Aufklärung betrachtet(Gustaw Mensching), andere betrachten die romantische Kritik der Aufklärung als Auslöser des Faches(Hans Kippenberg), Erik Sharpe sieht entscheidende Anstöße in Evolutionismus. Bestimmt sind die Ursachen der Entdeckung und Entwicklung des Faches in einem Komplex der Ereignisse zu suchen und dazu waren m.E. Philologische Komparatistik,die Entzifferung der fremden Texte entscheidend. Im Jahre 1771 bekam Europa eine Übersetzung von Awesta. Das war der Fall bei uns erst 1914. Vielleicht hatte dies eine symbolische Bedeutung. Nach 102 Jahren wurde das Fach in der Schweiz etabliert…Nach dieser Rechnung sollte im nächsten Jahr in Georgien ein Durchbruch geschehen…

III. Zur georgischen Terminologie, Wissenschaftsstand und „Geschichte“ des Faches.

Es gibt z.Z. in Georgien keine akademische Religionswissenschaft, beziehungsweise keinen Studiengang, keinen Lehrstuhl, Department und ähnliches. Trotzdem wird Religionsforschung betrieben. Ein langes Wort, Religiatmcodneoba, also Religionenkunde ist das gängige Stichwort, aber es ist schwer zu bestimmen, was eigentlich damit gemeint ist. Es ist ein amorphes Fach, meistens von Philologen, Historikern, Theologen betrieben. Im besten Fall ist dies eine Religionsgeschichte, „Weltreligionen“ oder einfach „Reden über die Religion“. Nach der Wende wurde an der Staatlichen Uni Tbilissi ein Lehrstuhl für „Religionskunde und Ethik“ eingerichtet, die anfänglich eine empirisch-deskriptiv-philosophische Richtung hatten, aber die Absolventen hießen damals nicht Religionswissenschaftler, sondern Theologen. Der Lehrstuhl geriet allmählich unter den Einfluss der kirchlich-orthodoxen Lehrern und im Jahre 2005 löste er sich ganz auf. Ich war auch dort ab 1993 bis 1997 tätig. Ich muss zugeben, wie meine Kollegen, habe auch ich nie von der okzidentalen Religionswissenschaft, von Friedrich Max Müller, Joachim Wach, Rudolf Otto, Gustaw Mensching, Erik Sharpe u.A. gehört. Also, wir haben sozusag. Physik betrieben ohne von Galilei, Kopernikus, Newton, Albert Einstein, Max Planck, Nils Bohr, und Hermann Weyl etwas gehört zu haben.

Abgesehen von der Saba Orbeliani Universität, ist eine solche Situation bis heute erhalten. Ich hab die Studenten kennengelernt, die schon „Religionswissenschaft“ oder einfach Religionskunde studieren, aber die akademische Geschichte und Gegenwart des Faches nicht kennen. Etwas Merkwürdiges.

Es gibt 3 Möglichkeiten, es werden 3 Wege der Religionsforschung in Georgien praktiziert.

1. Ein Surrogat statt des akademischen Faches. Dieser Weg wird an kirchlich-theologischen Schulen praktiziert. Das Religiatmcodneoba wird auch als Religious Studies übersetzt und vom einem Bischof wurde sogar ein „Department of Religious Studies“ gestartet, aber es ist schwer zu bestimmen was damit gemeint ist und welche Wissenschaftlichen Interessen daran hängen.

2. Religionswissenschaftliche Themen werden von anderen Wissenschaften, wie z. B. der Philologie oder Soziologie aufgesaugt, absorbiert. Einige Unis bieten z. B. Innerhalb der Soziologie ein Magisteprogramm wie „Religion und Politik“.

3. Der dritte Weg ist der Schwerste, aber akademisch legitim, richtig. Ein okzidentales, akademisches Fach zu etablieren, braucht eine Kompetenz des Religionswissenschaftlers und soweit ich diese Ausbildung mit dem Abschluss M.A. in D. bekommen habe, habe auch ich eine Ambition etwas damit anzufangen, wenigstens eine Bekanntmachung des Faches zu versuchen. Vor anderthalb Jahren habe ich einen Privatblog „Religionswissenschaft in Georgien“ gestartet und im vergangenen Semester einen Kurs bei den Theologische Magistranten erfolgreich geleitet. Für diese Verwirklichung danke ich herzlich dem Rektor – Herrn Waja Wardidze. Mein Kurs heißt „Moderne Religionswissenschaft: Probleme und Aspekte“. Um zu unterscheiden, was damit gemeint ist, nämlich Religious Studies/Religionswissenschaft und nicht amorphes Religiatmcodneoba, habe ich einen Neologismus – Religiologia angeboten. So ist dies für das Georgische flexibeler und weiterbildend…Wenn andere Kulturwissenschaften „Logien“ sind, wie z.b. Soziologia, Psichologia, Ethnologia usw. könnte die Religionswissenschaft das auch sein.

Die Religionswissenschaft erlebt in Georgien eine formative Periode und vor allem sind einige wissenschaftsorganisatorische Arbeiten zu leisten.

Wir brauchen kein neues Rad zu erfinden. Es gibt schon ein Rad, wir brauchen nur einen akademischen Willen, um den Transfer dieses „Rades“ zu verwirklichen…

P.S. Übrigens, ein virtuelles Lehrbuch auf Georgisch ist fast abgefertigt und wartet auf sein akademisches Schicksal. Aber ich Ihnen kann das erste Buch, sowie die ersten Studenten der Religionswissenschaft schon zeigen:

Ⴐელიგიოლოგია – Religionswissenschaft – Religious Studies – Religionistika – scienza delle religioni – θρησκειολογία – 宗教学…

რქა-ღმერთი

GUIDE to the STUDIE of RELIGION

GRUNDZÜGE der RELIGIONSWISSENSCHAFT

Ⴐელიგიოლოგია

(Ⴐელიგიათმცოდნეობის Ⴑაფუძვლები)

Tbilissi

2015

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Zelimkhan Udzilauri, udzi@gmx.de

17-18 Oktober, 2015, Tbilissi.

1Joachim Wach, Religionswissenschaft, Prolegomena zu ihrer wissenschaftstheoritischen Grundlegung, Leipzig, 1924.

2Geo Widengren, Religionsphänomenologie, Berlin, 1969, S.1.

3Hubert Seiwert, Systematische Religionswissenschaft: Theoriebildung und Empiriebezug, ZMR, 1/77.

4Michael Stausberg, Religionswissenschaft: Profil eines Universitätfachs im Deutschprachigen, in Michael Stausberg(Hrsg), Religionswissenschaft, De Gruyter, Boston-Berlin, 2012, S. 1.

5Michael Stausberg, Religionswissenschaft: Profil eines Universitätfachs im Deutschprachigen, in Michael Stausberg(Hrsg), Religionswissenschaft, De Gruyter, Boston-Berlin, 2012, S. 9.

6Abgrenzungen. Der Unterschied von Religionswissenschaft zur Religion und Theologie, Ferdinand Schöning, Paderborn.München. Wien. Zürich, 2010, S. 21u. fg.

7Hans-Jürgen Greschat, Was ist Religionswissenschaft? Stuttgart u.a. 1988, S.129.

8Friedrich Max Müller, Chips from a German Workshop, I, 1867, XIX.

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